«Einstweilen bleibt denen, die an den Roman glauben, viel zu tun. Denn das darf man, bei allen geschichtlichen Entwürfen, ja nicht vergessen: Das Geschäft des Romanschreibens, mit höchstem Anspruch betrieben, gehört zu den härtesten aller Arbeiten. Eine Anekdote, die es verdienen würde, wahr zu sein, berichtet, daß Gustave Flaubert einmal ein Klassentreffen besuchte. Alle ehemaligen Mitschüler waren da, bis auf einen, der sich wegen Grippe entschuldigt hatte. Man beschloß, ihm eine von allen unterschriebene Karte zu schicken, und da immerhin ein berühmter Schriftsteller anwesend war, betraute man diesen mit der Formulierung des Grußes. Widerstand war zwecklos, Flaubert zog sich in ein leeres Zimmer zurück und blieb dort eine halbe Stunde, eine Stunde, eineinhalb Stunden; man hörte ihn auf und ab gehen, mit Stühlen rücken, das Fenster öffnen und wieder schließen, leise mit sich selbst reden. Endlich kam er müde und ein wenig blaß heraus und lieferte die Karte ab. Was dort stand, erinnert uns daran, daß das gleiche Wort, unter unterschiedlichen Umständen und von verschiedenen Menschen geäußert, eben nicht das gleiche ist und daß kaum ein Beruf mehr Einsatz fordert als der des Schriftstellers, dem jede Formulierung so wichtig ist wie einem anderen eine Welt. Auf der Karte, die Flaubert seinen überraschten Kollegen zum Unterschreiben gab, stand: "Gute Besserung!"»

(aus: Wo ist Carlos Montúfar?)